Die richtige Hilfe finden

Wir haben mit Männern, die Suizidgedanken kennen, über professionelle Hilfe gesprochen. Sie beschrieben, wie erleichternd es war, die richtige Hilfe zu finden: Einen passenden Therapeuten, einen Klinikaufenthalt, der alles verändert hat oder Medikamente, die das Leben erleichtern.

Sie sagten aber auch, dass es manchmal Durchhaltevermögen oder mehrere Anläufe braucht, um die richtige Hilfe zu finden. Aber es lohnt sich dranzubleiben. Die Wirksamkeit von Therapien ist wissenschaftlich gut belegt. Vielleicht kann auch eine Bezugsperson, Freund:in oder Ansprechpartner der direkten Hilfen bei der Suche nach Hilfe unterstützen.

Lexikon der Bedenken

Einige Männer sagten auch, dass sie zuerst Bedenken hatten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese Bedenken haben Sie aufgehalten und viel Zeit gekostet. Vielleicht haben auch Sie solche Bedenken, deswegen haben wir Ideen hierzu zusammengestellt.

Die vielen Hilfsangebote können tatsächlich unübersichtlich sein. Wir haben Ihnen eine Übersicht über Hilfsangebote nach Erreichbarkeit erstellt. Je nachdem wie kurzfristig Sie Hilfe benötigen. Hier finden Sie weitere Informationen zu Hilfsangeboten.

Lassen Sie es darauf ankommen. Ein eindrücklicher Satz, den ein Mann sagte, war „Man muss mit dem Scheiß nicht leben.“. Es kann ein Symptom oder eine Eigenschaft Ihrer Krise sein, dass Sie das Gefühl haben, völlig hoffnungslos zu sein und nichts an der Situation verändern zu können. Dem ist nicht so. Es gibt Hilfen und Ihre Situation kann verändert werden. Viele psychische Krisen und Erkrankungen sind behandelbar, auch Suizidgedanken. Und auch mit chronischen Krankheiten kann ein Umgang erlernt werden, der die Lebensqualität steigert. Die Wirksamkeit von Therapien ist wissenschaftlich gut belegt.

Sich für die eigene Situation zu schämen, ist eines der größten Hindernisse, offen über die eigene Not und Suizidgedanken zu sprechen. Männer beschreiben, dass sie Angst haben, ihr „Gesicht zu verlieren“. Sie sorgen sich, dass Andere sie verurteilen und ablehnen. Diese Ängste haben viele. Die meisten berichten aber andere Reaktionen. Sie berichten, dass sie nicht abgelehnt werden. Sie berichten, dass Angehörige froh sind, zu wissen, was mit ihnen los ist. Sie berichten, dass auch andere sich öffnen und von ihren Sorgen erzählen. Und sie berichten, dass eine große Last von ihren Schultern genommen wurde, weil sie wieder ehrlich, authentisch und sie selbst sein konnten. Sich mitzuteilen, kann schwer und eine große Überwindung sein. Wenn das für Sie im Freundes- oder Familienkreis zu schwer ist, versuchen Sie es bei professionellen Beratern und Therapeut:innen. Es gibt auch Hilfen bei denen Sie sich anonym melden können (z.B. die Telefonseelsorge). Es gehört zum beruflichen Profil von Beratern und Therapeut:innen nicht zu urteilen, sondern gemeinsam nach Wegen zu suchen.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Hilfsangeboten.

Auch hier gilt, viele Freunde und Angehörige berichten, sie sind froh bei psychischen Krisen und Suizidgedanken einbezogen zu werden und helfen zu können – auch wenn es im ersten Moment schwer ist. Wenn aber Ihre Bedenken jemanden zu belasten, zu groß sind, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Hilfsangebote bei psychischen Krisen und Erkrankungen sind fester Bestandteil unseres (Kranken-) Versorgungssystems. Sie sind berechtigt, daran teilzuhaben und belasten niemanden, der diese Rolle beruflich ausübt.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Hilfsangeboten.

Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht. Sie entscheiden allein, wer und ob jemand von Ihren Freunden, Angehörigen, Bekannten oder Arbeitskollegen erfährt, dass Sie einen Therapeuten besuchen und was sie dort besprechen.

Teilweise ist das leider so. Wenn Sie z.B. eine ambulante Psychotherapie machen möchten, müssen Sie ein wenig Wartezeit einplanen. Psychotherapeuten sind sehr nachgefragt. Bei verschiedenen Therapeuten anzurufen, nach freien Therapieplätzen zu fragen und zu warten, kann in der Krise sehr beschwerlich sein. Aber es lohnt sich durchzuhalten. Die Verbesserung der Situation durch eine solche Behandlung sind wissenschaftlich gut belegt. Sie können die Wartezeit mit direkt verfügbaren Hilfsangeboten überbrücken, z.B. durch eine Psychosoziale Kontakt-/Beratungsstelle, eine Selbsthilfegruppe oder auch einen Klinikaufenthalt.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Hilfsangeboten.

Die meisten Aufenthalte in der psychiatrischen Klinik sind freiwillig und in Absprache zwischen Patient und Arzt überlegt. Eine Klinik kann ein sicherer Schutzraum in der sehr belastenden Zeit einer suizidalen Krise sein. Im nachstehenden Interview spricht Herr Dr. Schomerus über genau dieses Thema.

Klinik für Psychiatrie

Was passiert in einer psychiatrischen Klinik? Wird man bei Suizidgedanken gegen den eigenen Willen in die psychiatrische Klinik eingeliefert?
Diese und andere Fragen besprechen wir im Video.

Hilfsangebote

Hier finden Sie Informationen, wo Sie sich bei Suizidgedanken und in Krisen hinwenden können.

Mehr erfahren

Wann es richtig ist, Hilfe zu holen 

Geht es mir überhaupt schlecht genug? Viele Männer haben die Frage: Darf ich Hilfe in Anspruch nehmen? Steht mir diese Hilfe zu?
Generell ist es nützlich, in allen Situationen, die Sie überfordern oder wenn Sie sich über längere Zeit unwohl fühlen, Unterstützung zu holen.

Sie müssen die Last von Suizidgedanken und Krisen nicht allein tragen. Sie müssen „mit diesem Mist nicht leben“. Ideen, wie „Damit muss ich alleine klarkommen.“ oder „Stell dich nicht so an.“ sind immer noch in vielen Köpfen verankert. Diese Ideen können lange verhindern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das macht es oft problematischer und nützt nicht.

Wir würden auch nie auf die Idee kommen, ein Haus allein zu bauen, ein gebrochenes Bein allein zu operieren oder uns bei einem Herzinfarkt selbst zu versorgen. Für alles haben wir „Fachpersonen“. So können auch Fachpersonen bei psychischen Krisen und schwierigen Lebenssituationen helfen, die Dinge zu sortieren und in Ordnung zu bringen. Wir müssen und können nicht alles schaffen.

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